ADHS ist immer wieder ein Thema das die Eltern, Therapeuten und Medien beschäftigt. Immer wieder entstehen fragen und es gibt aus Sicht der Eltern oft zu wenig konkrete Antworten mit denen gearbeitet werden kann. Aber auch jetzt ist dieses Thema gerade wieder aktuell und betrifft eigentlich alle, die mit ADHS in Verbindung gebracht werden.

Nach einer neuen Studie des John Hopkins Children´s Center wurde die Journal of the American Academy of Child & Adolescent Psychiatry durchgeführt und sie sei eine der größten Langzeitstudien  mit 207 Kindern mit ADHS im Durchschnittsalter von 4,4 Jahren. Hier soll gezeigt werden wie sinnvoll und effektiv die Behandlung von ADHS mit den bekannten Medikamenten Ritalin und Methylphenidat ist. Die Kinder wurden zum Anfangszeitpunkt der Studie untersucht, drei Monate später, zum Teil schon in medikamentöser Behandlung und dann nach 3, 4 und 6 Jahren. Analysiert wurden die Veränderungen der Symptome über die Zeit.

Zusammenfassung der Symptome:

Hyperaktivität: Darunter wird eine psychomotorische Unruhe beschrieben, sowohl im grob- wie auch im feinmotorischem Bereich. Zu beobachten ist dies beispielsweise, wenn eine anhaltende motorische Unruhe besteht; das Kind exzessiv herumläuft; es nicht ruhig sitzen kann oder es beispielsweise ständig mit seinen Haaren spielt.

Impulsivität: Dieses Persönlichkeitsmerkmal ist durch Schwierigkeiten gekennzeichnet, Impulse adäquat zu hemmen oder zu kontrollieren. Dadurch, dass das Verhalten nicht gehemmt werden kann, ist das Kind dann unkonzentriert und unaufmerksam.

Beobachtbar ist die Impulskontrolle beispielsweise, wenn das Kind rasch handelt, ohne nachzudenken, es Tätigkeiten schnell wechselt, sein Handeln wenig planvoll ist und es Tätigkeiten nicht zu Ende führen kann, weil ihm etwas dazwischen kommt. Es handelt sich hierbei um eine Störung neuropsychologischer Prozesse, die für eine Hemmung des Verhaltens notwendig ist.

Unaufmerksamkeit: Als Komponente der Aufmerksamkeit werden Reaktionsbereitschaft, Selektivität (Regulierung der eingehenden Reize) und zentrale Verarbeitungskapazität angesehen.

Ist ein Kind unaufmerksam, lässt sich dies beispielsweise beobachten, wenn es eine Aufgabe mehrmals durchlesen muss, um den Sinn komplett zu verstehen, es Schwierigkeiten hat, ausreichend lange bei einer Aufgabe zu bleiben oder es schnell durch Reize ablenkbar ist.

Neben diesen Leitsymptomen können bei Kindern mit ADHS aber auch noch andere Schwierigkeiten auftreten. So haben sie durch die Unaufmerksamkeit und die beeinträchtigte Impulskontrolle oft Mühe, eine Handlung adäquat zu planen. Des Weiteren sind oft soziale Schwierigkeiten zu beobachten. Kinder mit ADHS haben häufig Mühe, sich in eine Gruppe einzufinden, es bereitet ihnen Mühe sich an Regeln zu halten und sie werden oft als Klassenclown angesehen. Im emotionalen Bereich kann es gelegentlich Schwierigkeiten geben, da diese Kinder oft sehr sensibel und empfindlich sind. Dies kann im Sinne einer Feinfühligkeit, aber auch als Reaktion auf die Umwelt bezogen sein. (http://www.ergotherapie.org/2013/01/adhs-nur-aufmerksamkeitsstorung-und-hyperaktivitat/)

Was ist also mit der Wirkung von Medikamenten. Die Ergebnisse können überraschen oder auch nicht. Es ließ sich feststellen, dass gerade bei Mädchen ein Rückgang der Symptome zu beobachten ist. Allerdings sei bei den meisten Kindern, trotz Einsatz von Medikamenten keine wesentliche Veränderung ersichtlich gewesen. Daher bleiben die üblichen ADHS Symptome erhalten.

Erschreckend ist, dass 89 Prozent der Kinder nach sechs Jahren immer noch starke und schwere Symptome des ADHS aufwiesen. Die Studie deckte sogar auf, dass geringfügig weniger Kinder, die keine medikamentöse Behandlung erhielten weniger signifikante Störungen aufwiesen, als solche die mit Medikamenten behandelt wurden.

In der Studie wird ebenfalls davon gesprochen, dass eine Therapie mit Verhaltenstraining erforderlich ist. Das bedeutet also, dass eine Ergotherapie als sinnvoll erachtet wird. Es wird auch erwähnt, dass zu wenig Wissen über eine nicht medikamentöse Behandlung (zum Beispiel Ergotherapie) vorhanden ist, allerdings hat die Forschung zu wenig Mittel und Gelder zur Verfügung um hier eine Studie entstehen zu lassen. Die Pharmakonzerne scheinen aber auch kein Interesse daran zu haben.

Was sagt uns das Ergebnis: Das eine Behandlung mit Medikamenten keine Sicherheit und Garantie darstellt, dass die Symptome geringer werden oder gar verschwinden. Ein erschreckendes Ergebnis, dass hier offen dargestellt wird. Es lässt sehr stark an der Ernsthaftigkeit von Medikamenten zweifeln. Sicher wird es vereinzelt immer wieder Kinder mit ADHS geben, bei denen ein Medikament wirkt, aber die Vielzahl bleibt ohne Erfolg.

Darum sollten nichtmedikamentöse Behandlungen mehr in den Fokus rücken. Hier gibt es zahlreiche Methoden in der Ergotherapie wie ADHS behandelt werden kann bzw. wie Symptome auch ohne Medikamente reduziert werden können und der eigentliche Charakter und das Wesen des Kindes sich nicht durch den Einsatz von Medikamenten verändert.

Hier nur ein kleiner Auszug von angewandten Methoden:

Unaufmerksamkeit: Vermittlung von Strategien, um zu lernen, mit diesen Schwierigkeiten umzugehen. So dass Lern- und Arbeitsstrategien automatisiert werden. Die Fähigkeit des Kindes erhöhen, selbstständig und selbstreflexiv zu handeln.

Impulskontrolle: Vermittlung von Strategien, um zu lernen, impulsgesteuertes Verhalten kognitiv zu steuern. Beispielsweise mit Signalkarten oder Stoppsignalen.

Im allgemeinen Umgang mit Kindern mit ADHS ist es wichtig, klare Regeln zu definieren und das Kind eng zu führen.

Ich hoffe ich konnte Ihnen mit diesem Artikel weiterhelfen und freue mich über Kommentare.

Mit freundlichen Grüßen | Benjamin Haverkamp | Dr. Frank & Partner Zürich