„Alkohol in der Schwangerschaft – nein danke!“

Trotzdem erblickt eins von 500 Kindern mit der Diagnose „Alkoholembryopathie“ das Licht der Welt. Dazu kommt es, wenn die Mutter während der Schwangerschaft alkoholische Getränke zu sich nimmt. Die Ursache ist also eine regelrechte Vergiftung des Kindes durch die eigene Mutter! Eine direkte Beziehung zwischen Menge und Wirkung ist zurzeit noch nicht bekannt. Hierbei macht nicht die Dosis das Gift! Nach den momentan medizinischen Möglichkeiten muss also davon ausgegangen werden, dass Alkoholkonsum zu jedem Zeitpunkt der Schwangerschaft grundsätzlich ein hohes Risiko für den Embryo/Fetus darstellt. Jedoch gebären „nur“ etwa ein Drittel der alkoholabhängigen Frauen Kinder mit gravierenden alkoholbedingten Schädigungen.

Der Begriff wurde durch Paul Lemoine im Jahre 1968 erstmals beschrieben und 1973 wiederholt in den USA erläutert. Sie untersuchten das Krankheitsbild „Fetales Alkoholsyndrom“ und arbeiteten zahlreiche irreversible Schädigungen des Ungeborenen heraus, welche auf den Alkoholkonsum der Mutter zurückzuführen sind. Sie beschrieben den Einfluss von Alkohol während der einzelnen Trimenon. Im ersten Schwangerschaftsdrittel in dem die Organanlage erfolgt, können vor allem Organschäden verursacht werden. Zu einer erhöhten Fehlgeburtsrate kommt es vor allem im zweiten Trimenon, ebenso wie vermehrte Entwicklungsverzögerungen. Im letzten Drittel, in dem das Zentrale Nervensystem ausgebildet wird und der Körper zur Geburtsreife heranwächst, kann das Gehirn am meisten geschädigt werden. Zudem kommt es häufig zu Wachstumsverzögerungen des Ungeborenen.

Nach der Geburt ist ein Minderwuchs des Säuglings zu erkennen sowie eine zu geringe Kopfgröße. Ebenso sind beim Neugeborenen ein muskulärer Hypotonus und psychomotorische Entwicklungsverzögerungen sowie später auch Hyperaktivität ersichtlich. Weitere Anzeichen beim Kind sind neben der niedrigen Stirn und der eingesunkenen Nasenwurzel auch ein verstrichenes Philtrum (das ist die vertikale Rinne, welche sich von der Nase über die Mitte der Oberlippe herabzieht und die während der Embryonalentwicklung durch das Zusammenwachsen der Gesichtshaut entsteht). Genauso sind schmales Lippenrot und tiefsitzende Ohren sichtbar. Es kann auch Fehlbildungen des Gaumens und Kieferbereichs kommen. Wie zum Beispiel ein hoher Gaumen oder eine Gaumenspalte, ebenso wie eine Unterkieferminderentwicklung oder zu kleinen Zähnen mit vergrößertem Zahnabstand. Zusätzlich kann Alkoholkonsum während der Schwangerschaft Fehlbildungen des Skeletts nach sich ziehen. So kann es zu Hüftluxationen, Handfurchenanomalien und einer trichterförmigen Brust kommen. Wirbelsäulenverkrümmungen (Skoliosen) sind keine Seltenheit. Nebenher können seitlich-winklige Abknickungen der Fingerglieder im Handskelett des Kindes angeboren sein. Oft treten auch Fehlbildungen der Augen auf, wie beispielsweise eine Verengung der Lidspalte des Auges in horizontaler Richtung oder eine sichelförmige Hautfalte am inneren Randwinkel des Auges. Mitunter können auch die Organe des Säuglings in Mitleidenschaft gezogen werden. Dies äußert sich oft mit Fehlbildungen des Harn-Blasensystems und Genitalbereichs oder sogar mit leichten bis gravierenden Herzfehlern, wie Herzscheidewanddefekte und Herzklappenfehler. Außerdem kann es zu fehlenden Unterhautfettgewebe kommen wie auch zu Bindegewebsschwächen. Später können bei dem Kind unter anderem auch noch Krampfanfälle, emotionale Instabilität, fehlende Frustrationstoleranz sowie Aggressivität und Schulleistungsdefizite auftreten.

Seit 1999 wird jährlich am 9. September der „Tag des alkoholgeschädigten Kindes“ begangen. Dies erfolgt durch die Initiative der „FASD Deutschland e. V.“ Die Kampagne hat zum Ziel, auf die Lebenssituation von Kindern und Jugendlichen mit angeborenen alkoholbedingten Schädigungen aufmerksam zu machen. Des Weiteren soll zu diesem Thema Aufklärung geschaffen und vor den Gefahren des Alkohols während der Schwangerschaft gewarnt werden.

Mit freundlichen Grüßen | Katrin Tzschöckell | Dr. Frank & Partner Berlin