In der therapeutischen Arbeit mit Patienten, die von einem CRPS-Typ 1 betroffen sind, sind bereits Grundlagen zur effektiven Behandlung dieser Patientengruppe bekannt. Hierdurch können durch eine meist interdisziplinäres Zusammenarbeiten zwischen Ergotherapeuten, Physiotherapeuten, Psychologen und Orthopäden der Krankheitsverlauf positiv beeinflusst werden und Symptome und Spätfolgen reduziert werden.

Weiterhin sind aber die Entstehungsmechanismen umstritten. Auf dem Deutschen Schmerzkongress in Berlin wurde 2009 die wissenschaftliche Arbeit von Dr. Frank Seifert, dem Medizinstudenten Georg Kiefer und Privatdozent Dr. Christian Maihöfner aus der Neurologischen Klinik des Universitätsklinikums Erlangen mit dem Förderpreis für Schmerzforschung aus der Kategorie der „Klinischen Forschung“ ausgezeichnet. Sie konnten eine Veranlagung für das CRPS nachweisen. Sie stellten als einen Risikofaktor ein verändertes innere Schmerzempfinden fest:

Normalerweise ist im Rückenmark und im Hirnstamm sowohl eine Abschwächung, als auch eine Verstärkung von weitergeleiteten Schmerzreizen aus dem Körper möglich. Diese endogene Schmerzmodulation sei bei Patienten mit einem CRPS dahingehend verändert, dass wiederholende, andauernde Schmerzen (anders wie dies bei einer Kontrollgruppe zu erkennen war) nicht abgeschwächt wurden.

Es gibt zudem mehrere Studien, die Faktoren wie Alters- und Geschlechtsverteilung oder die Art der anschließenden Wundversorgung untersuchen. In eine Studie mit 829 Patienten konnte Veldmann deutlich machen, dass ein Übergewicht an weiblichen Patienten gegenüber männlichen Patienten besteht. Den Altersdurchschnitt berechnete er auf 42 Jahre.

In seiner Studie zeigte er zudem auf, dass bei 65% der 829 Patienten ein Trauma vorausgegangen war. Das häufigste Trauma war hierbei die Radiusfraktur, gefolgt von Handwurzelfrakturen und den Oberarmfrakturen.

Auch Plewes und Rothkirch forschten nach Auslösern. Fasst man die Studie dieser Drei zusammen werden neben den Frakturen mit 43-67% auch Entzündungen (2-9 %), cerebraler Insult (<1 %), periphere Nervenkompressionssyndromen, wie dem Karpaltunnelsyndrom (4%) und intravenösen Injektionen (1,4%) benannt. Die idiopathischen CRPS-Fälle, bei denen keine fassbare Ursache erkennbar war, machen je nach Autor 2,6 – 10 % aus.

Rothkirch und Kollegen erkannten bei 46 von 77 untersuchten Patienten zudem psychische Auffälligkeiten. Hierunter zählten sie übergroße Ängstlichkeit, besondere Empfindsamkeit, erhebliche innere Unruhe oder psychosomatische Störungen auf. Pollack et al. fasste mit Hilfe des Freiburger Persönlichkeitsinventar (FPI) sogar einen „Sudeck-spezifischen Menschentyp“ zusammen.

Es ist also zu erkennen, dass sicherlich eine Vielzahl von Faktoren dafür verantwortlich sind, ob ein CRPS auftritt oder nicht. Zu erkennen ist ebenso, dass eine weitere Forschung unabdingbar ist, um Patienten noch effektiver behandeln und unterstützen zu können.

Haben Sie Anregungen zu diesem Thema? Über Ihre Kommentare würde ich mich freuen.

Mit freundlichen Grüßen | Sabrina Huschke | Dr. Frank & Partner München