Ein 44-jähriger türkisch-muslimischer Ingenieur erlitt einen akuten Myokardinfarkt. Sein Arzt hat Ergotherapie verschrieben, um die Ausdauer während Aktivitäten des alltäglichen Lebens zu verbessern. Die behandelnde Ergotherapeutin begrüßt den türkischen Patient, indem sie seine Hand nimmt und ihm in die Augen sieht. Ein Weg, um ihre direkte Aufmerksamkeit zu zeigen. Sie ist überrascht, als der Patient sich weigert, beim Wasch- und Anziehtraining oder den WC-Transfer durchzuführen und zu trainieren.

Wir sind seit über 20 Jahren am MarktEine türkische Frau wird zur ambulanten Reha von ihrer Enkelin gebracht. Die Patientin spricht nur arabisch. Ihre Enkelin erklärt, sie habe ein Rezept für eine Behandlung nach einer Sehnenruptur an ihrem linken Fuß. Die türkische Frau ist vollständig abgedeckt, nur ihre Augen und Hände sind sichtbar.

Möchten Sie wissen, wie Sie ähnliche Patienten befragen, befunden und behandeln können – unter Wahrung ihrer Überzeugungen?

Ergotherapeuten können eine Steigerung ihrer kulturellen Kompetenzen erreichen, indem sie ihr Verständnis gegenüber den Anhängern des Islams verbessern und sich bewusst machen, dass kulturellen Überzeugungen sich auf die Therapie auswirken können.

Islam … „für Anfänger“

Das arabische Wort für Frieden ist salam. Es ist auch das Wort, aus dem der Islam abgeleitet wurde. Der Islam ist die zweitgrößte und am schnellsten wachsende Religion der Welt. Der Islam wird oft mit dem Nahen Osten verbunden. Die Anhänger des Islams werden als Muslime oder Moslems bezeichnet. Es ist auch zulässig, Anhänger „islamisch“ zu nennen. Das höchste Wesen des Islams ist Allah. Der Gründer der Religion ist der Prophet Mohamed und das heilige Buch ist der Koran oder Qur’an.

In erster Linie sollten Therapeuten sich daran erinnern, dass nicht alle Menschen, die sich mit einer bestimmten Religion identifizieren, alle Aspekte des Glaubens praktizieren. Geographische, kulturelle und ethnische Faktoren beeinflussen die Überzeugungen, Werte und Praktiken der Muslime. Machen Sie sich bewusst, dass Muslime einen Mangel am Bewusstsein für muslimische Werte als respektlos interpretieren können, was ihre Bereitschaft und Inanspruchnahme von Hilfe und Unterstützung reduziert.

Traditionelle Muslime leben nach dem Konzept der Bescheidenheit. „Sich bedecken“ ist ein Bestandteil dieser Bescheidenheit. Traditionell akzeptable Kleidung zeigt in der Regel nicht die Form des Körpers einer Frau.

Um ihren Respekt gegenüber dieser Bescheidenheit zur zeigen, bitten Sie vor Beginn der Behandlung um Erlaubnis das entsprechende Körperteil aufzudecken oder zu berühren. Bei Hausbesuchen beachten sie, dass das Hereintreten in ein Patientenzimmer mit Respekt geschehen sollte, idealerweise durch Klopfen und um Erlaubnis zu fragen.

In Deutschland wird der direkte Blickkontakt als respektvoll geschätzt. Jedoch gelten der direkte Blickkontakt mit dem gegensätzlichen Geschlecht und das Besprechen von Körperfunktionen als unangemessen in der muslimischen Kultur.

Dies kann herausfordernd sein bei:

  • der klinischen Einschätzung von Fähigkeiten, insbesondere beim Betrachten eines Patienten des anderen Geschlechts
  • Fragen über die psychischen Gesundheit, wie Depression
  • Durchführung neurologischer Prüfungen
  • Beurteilung der Durchführung alltäglicher Handlungen.

Interpretieren und bewerten Sie dabei einen fehlenden Blickkontakt nicht als Ablehnung oder Mangel an Interesse. Sondern als Zeichen von Demut und Respekt, da im Islam Gesundheitsdienstleister ein hohes Ansehen wegen ihrer Autorität und Engagement erhalten.

Sauberkeit ist entscheidend für muslimische Patienten, weil dies mit religiösen Werten verbunden ist. Muslime wollen ihren Mund spülen und ihre Hände, Gesicht, Unterarme und Füße vor dem Gebet waschen (dies kann 3-5 Mal täglich sein). Geschieht der Aufruf zum Gebet direkt nach einer ergotherapeutischen Intervention wird die Reinigung des eigenen Körpers notwendig. Auch Waschungen nach dem Wasserlassen oder Stuhlgang sind erforderlich.

Bieten Sie den Patienten beider Geschlechter an, sich mit einer Wasch-Spritzflasche zu waschen. Sorgen sie dafür, dass handliche Einwegbecher am Waschbecken vorhanden sind oder bieten Sie an, dass der Patient Waschzeug von Zu Hause mitbringen kann.

Dies ist eine kleine Aufstellung um eine reibungslose Zusammenarbeit mit muslimischen Patienten zu gewährleisten. Wie bei jeder Regel gelten Ausnahmen bei kulturellen Überzeugungen.

Mit freundlichen Grüßen | Katharina Krause | Dr. Frank & Partner München