Julia ist 13 Jahre alt und in der Schule ist Mathematik ihr Lieblingsfach. In Deutsch hat sie allerdings schon immer Schwierigkeiten. Auch ihrer Mama ist es schon sehr früh aufgefallen, dass Julia beim Schreiben oft Buchstaben vergisst, oder zum Beispiel „b“ und „d“ öfter verwechselt. Wenn sie mit ihrer Tochter gelernt hat, zeigte Julia immer sehr schnell ein geringes Frustrationsverhalten, und wird gegenüber ihrer Mutter lauter. Sie bemüht sich beim Lesen, doch fällt auch hier auf, dass sie die Sätze nicht flüssig lesen kann, und bei Wörtern oft Silben verschluckt. Wenn sie einen Text gelesen hat, kann sie danach auch den Inhalt nicht wiedergeben. Sie erzählt, dass sie sich beim Lesen so auf die Wörter konzentrieren muss, dass sie dabei den Sinn der Sätze nicht erfassen kann.

Von Lese-Rechtschreib-Schwierigkeiten (LRS) spricht man, wenn Kinder das Schreiben und Lesen in der Schulzeit nur verlangsamt oder ungenügend lernen. Um LRS festzustellen, werden standartgemäß in der LRS-Diagnostig psychodiagnostische Testverfahren eingesetzt. Dazu gehören:

  • ein nomierter und standardisierter Lesetest
  • ein normierter und standardisierter Rechtschreibtest
  • ein Test zur allgemeinen Leistungsfähigkeit
  • und ein Test zur auditiven Merkfähigkeit

Je nach dem, was die Auswertung der einzelnen Test ergibt, können sich weitere Tests zum Beispiel zur Händigkeit oder Konzentrationsfähigkeit anschließen.

Wurde bei einem Kind eine LRS diagnostiziert, gibt es viele Möglichkeiten dieses zu fördern, denn es lassen sich auch bei Kindern und Jugendlichen mit einer schwachen Begabung Fortschritte erzielen.

Diese Fortschritte benötigen allerdings viel Zeit und ein gut zusammenarbeitendes Umfeld des Kindes. Nur wenn die Eltern, die Lehrer und auch Therapeuten zusammen ein Ziel verfolgen und offen miteinander darüber sprechen, können sich für das Kind Erfolge einstellen.
In der Schule gibt es zum Beispiel Richtlinien, die vom Kultusministerium beschlossen wurden, um für Kindern mit LRS eine bessere Chance zu schaffen. Dabei werden zum Beispiel bei Schulaufgaben die Rechtschreibfehler nicht mit berücksichtigt.

Kinder mit einer Lese-Rechtschreib- Schwäche müssen dauerhaft und konsequent an ihren Defiziten arbeiten. Wichtig ist es ihre Lesesicherheit zu stärken und auch Rechtschreibregeln immer zu wiederholen. Denn nur dann können sie diese Regeln bewusst einsetzen und auch kontrollieren.

Einen wesentlichen Erfolg kann man erzielen, wenn sich die Kinder ihrer Teilleistungsschwächen bewussst sind, aber eben auch Lernstrategien kennen, die sie einsetzen können. Denn die LRS wird sie auch bis ins Erwachsenenalter begleiten, doch mit richtigen Strategien können diese Menschen ein weitgehend normales Leben führen.

Mit freundlichen Grüßen | Christina Barthold | Dr. Frank & Partner München