„Ich habe nur einen Moment nicht aufgepasst, fiel nach hinten und da ist es schon passiert. Es war ein kurzer Schmerz, dann habe ich gemerkt, dass ich meinen Zeigefinger nicht mehr bewegen kann. Im Krankenhaus haben sie mir gesagt, dass es sich um eine Luxation handelt: Ich dachte mir nur – zum Glück ist nichts gebrochen!“

Das erzählte mir letzte Woche Herr Günter, der seit zwei Wochen zu uns in die Praxis kommt. Seit es passiert ist, sind schon fast 5 Wochen vergangen, aber die Schwellung in seinem Fingergelenk ist immer noch vorhanden. „Wie lange dauert es denn noch bis ich meinen Finger wieder voll belasten kann?“ fragte er mich.

Was geht in einem Gelenk bei einer Luxation vor sich? Eine Luxation ist immer eine Schädigung des Gelenkes. Dabei findet eine Dehnung beider Gelenkpartner weit über das physiologische Bewegungsausmaßes hinaus statt. Dabei kann es auch dazu kommen, dass umliegende Gewebe oder Gefäße, wie zum Beispiel Blutgefäße, Sehnen oder Nerven, beschädigt werden. Das erklärt dann auch die Schwellung, die in diesem Bereich des Gelenkes auftreten kann. Diese Schwellung und der Abtransport der Gewebsflüssigkeit nimmt einige Zeit in Anspruch und geschieht nicht „von heute auf morgen“.

Kommt es zu einer Luxation, sind sichere Luxationszeichen zum einem eine sichtbare Deformität, und zum anderen die Schonhaltung und Funktionseinschränkung. Je nach Ausprägung und betroffenen Gewebe kann eine Luxation mit manueller Reposition oder mit einer Operation, bei der zum Beispiel eine Sehne genäht werden muss, versorgt werden. Danach ist es wichtig, das Gelenk ruhig zu stellen. Auch sollte man bei der Mobilisation im Anschluss immer mit bedenken, inwieweit die Stabilität des Gelenkes beeinflusst wurde. Bei Verletzungen der Kapsel, oder einem Bänderriss ist die Stabilität des Gelenkes nicht mehr hundertprozentig gegeben.

Welche Antwort gibt man nun Menschen, die Fragen haben wie Herr Günther? Wichtig ist es, genau zu erklären, was in dem Finger, oder dem Gelenk bei der Luxation vor sich geht. Dabei kann man keine genaue Zeitangabe geben, denn die Regulation einer solchen Verletzung kann bei jedem Menschen unterschiedlich sein. Sprechen Sie den Menschen Mut zu, sich die Zeit zu lassen, die das Gelenk benötigt. Denn nur dann haben alle Gewebsschichten und das Gelenk die Zeit, sich zu erholen, und man hat gute Chancen das vorherige Bewegungsausmaß wieder vollständig zu erreichen. Zusammen mit passiver und aktiver Mobilisation kann man diesen Prozess noch positiv beeinflussen.

Haben Sie noch Fragen oder Anregungen zu diesem Thema? Schreiben Sie mir, ich stehe Ihnen gerne zur Verfügung.

Mit freundlichen Grüßen | Christina Barthold | Dr. Frank & Partner München