Heute kam ein Mädchen, nennen wir es Marie,  zu uns in die Ergotherapie und erzählte, dass sie Schuld sei, wenn der Vater auf sie sauer ist. Marie habe alles kaputt gemacht und wenn es sie nicht geben würde, wäre in Ihrer Familie einiges besser.

Beim näheren Nachfragen erzählte sie, dass der Vater Geburtstag habe und sie ihn nicht anrufen wollte, weil er noch im Krankenhaus liegt und sie gesagt bekommen hat, das dort keine Telefone erlaubt seien. Sie wirkte im Gespräch sehr resigniert und zog als Fazit “ mit diesem Schmerz muss ich leben“. Mit der Mutter kann sie nicht sprechen, da sie befürchtet den Vater dadurch nicht mehr sehen zu können. Auch habe die Mutter genug eigenen Schmerz mit dem behinderten Bruder und da möchte sie nicht auch noch zusätzlich belasten. Diese Gefühle begleiten Sie jeden Tag und manchmal wünscht sich Marie nicht mehr da zu sein, dann hätte der Vater nicht so viel Ärger und die Mutter müsste sich nicht auch noch um sie kümmern…

Diese und ähnliche Probleme sind in der Ergotherapie langsam keine Seltenheit mehr. Durch die ansteigende Scheidungsrate und die oftmals verstrittenen Eltern kommen die Kinder mit Problemen in die Ergotherapie die auf den ersten Blick eher in eine Psychotherapie gehören. Doch das ist oftmals nicht nötig. Denn in einer gut geführten ergotherapeutischen Praxis und den entsprechenden Zusatzqualifikationen ist es den Therapeuten möglich den Kindern einen Raum zu geben, an dem sie Ihre Sorgen frei erzählen können, ohne dem inneren Druck „Ich bin anders weil ich zum „Psychodoc“ muss “ ausgesetzt zu sein. Auch verstehen sich die Ergotherapeuten im Bereich der Elternberatung und des Elterntrainings und können somit den Eltern nützliche Hilfestellungen und Hinweise geben.

Für viele Jugendliche ist es auch ein Raum der Selbsterfahrung, erleben zu können, dass man doch etwas Wert ist und gebraucht wird. Oder der Selbstbestätigung einmal Dinge auszuprobieren, die man sich vielleicht in der Schule nie trauen würde. Duch die gruppentherapeutische Intervention erfahren die Kinder auch, dass sie mit vielen Problemen nicht allein sind und könne sich auch untereinander austauschen und aus den Erfahrungen Anderer lernen. Die Erfahrungen haben gezeigt, dass Kinder wie Marie sich durch den geschützen Rahmen gut entfalten konnten und ihre eigenen Stärken entdecken und festigen lernten.

Mit freundlichen Grüßen | Claudia Franz | Dr. Frank & Partner Zürich