Als Hypoplasie wird eine angeborene Unterentwicklung eines bestimmte Organs, Organismus oder Körperstruktur bezeichnet, welche durch eine mangelnde Zellanzahl des betroffenen Gewebes geprägt ist. Bei einer Daumenhypoplasie ist damit die Unterentwicklung der Knochen-, bzw. Gelenk- und Weichtelstrukturen des Thenars zu bezeichnen.

Je nach Ausprägungsgrad kann eine leichte Verkürzung oder Verkleinerung des Knochengewebes und/oder der Muskulatur zu erkennen sein. In ausgeprägteren Fällen kann es dazu kommen, dass die artikuläre Verbindung vom Metacarpale I zum Os Trapezium nicht besteht, da z.B. das Os Trapezium oder das Metacarpale nicht oder nur unzureichend ausgebildet wurde. Der Daumen ist somit nur durch eine Art „Bindegewebsbrücke“ mit der Hand verbunden und besitzt keine Funktionsfähigkeit.

In diesem Falle besteht die Möglichkeit einer sogenannten Pollizisation des Zeigefingers. Durch die Positionierung des Zeigefingers in die Positon des Daumens wird es den meist noch sehr kleinen Patienten ermöglicht, eine normale Greiffunktion zu erlagen. Dies muss jedoch erst einmal geübt werden.

In der Regel sollte eine solche Operationen nicht vor dem 6. Lebensmonat vorgenommen werden, jedoch zeigt sich eine bessere Anpassung des Kindes an die neuen Handlungsfähigkeit der Hand im frühen Kindesalter. Während der Ergotherapie können im Anschluss an die Operation gezielte Übungen zur Verbesserung der Greiffunktion und zur Kräftigung der Hand-, besonders der Thenarmuskulatur durchgeführt werden. Dies geschieht natürlich je nach Alter vor einem spielerischen Hintergrund. Auch Alltagstätigkeiten können in einem geschützten Rahmen in der Ergotherapie erprobt, eingeübt und gefestigt werden. Schließlich sollen die Kinder lernen, die betroffene Hand in den Alltag einzusetzen und zu integrieren.

Häufig werden im Laufe des Wachstums mehrere Operationen benötigt (z.B. eine knöcherne Verkürzung) um eine optimale Funktion des Daumens für das Kind zu erlangen. Die Ergotherapie kann einen solchen Prozess begleiten, den Kinder und den Eltern Zuversicht und Selbstvertrauen vermitteln, um im Sinne eines holistischen Behandlungsansatzes die allgemeine Geschicklichkeit, bilaterale Koordination und die Handlungsfähigkeit in seiner Umwelt zu verbessern.

Mit freundlichen Grüßen | Sabrina Huschke | Dr. Frank & Partner München