Eine Studie von Mark Lyte, Lehrstuhlinhaber der Pharmazie, der Universität Texas Tech in Lubbock, lässt dies vermuten.

Angefangen hatte alles vor über drei Jahren. Mark Lythe hielt vor Fachleuten einen Vortrag, in dem er die These aufstellte, dass Darmbakterien nicht nur Verdauungshelfer oder Durchfallerreger sind. Vielmehr würden Darmbakterien auf das psychische und neurologische System eine Wirkung haben. Es fanden Tierversuche mit Mäusen statt. Diese zeigten, dass Mäuse, je nach Besiedlung in ihrem Darm, völlig unterschiedliche Verhaltensweisen aufzeigten. Ein Teil der Mäuse war eher ängstlich, der andere Teil war eher aktiv. Es zeigte sich sogar eine andere Hirnchemie.

Es liegen auch Studien über Menschen vor. Dabei wurden zwei Gruppen von Menschen untersucht. Die einen haben 30 Tage lang eine Nahrungsergänzung mit 2 verschiedenen Bakterien zu sich genommen. Das Ergebnis war, dass diese in Standardisierten psychologischen Tests, besser abschnitten als die Kontrollgruppe, die keine dieser Bakterien geschluckt hat. Eine andere Studie stellte fest, dass Menschen mit Chronischen Erschöpfungssyndrom weniger Ängste erlitten, wenn sie täglich Bakterien mit Joghurt zu sich nehmen. Eine Placebo-Speise zeigte keinerlei Effekt. Da beide dieser Studien eher mit einer niedrigen Probandenzahl durchgeführt wurden, sind die Ergebnisse vorerst mit Skepsis zu betrachten. Die Wissenschaftler auf der ganzen Welt sind sich einig, dass die Rolle der Bakterien oder auch Viren, bei der Entstehung von Leid nicht zu unterschätzen sind. Inzwischen ist es nachgewiesen, dass Keime Magengeschwüre verursachen können und es wird vermutet, dass Infektionen Alzheimer auslösen können. Bakterien sind die Grundlage, für die körpereigene Immunabwehr.

Die Frage ist, inwieweit Bakterien im Darm, Einfluss auf das Nervensystem ausüben können. Im Darm sitzen über 500 Millionen Nervenzellen, deren Aufgabe noch immer nicht geklärt ist. Es fällt auf, dass Angsterkrankungen und Depressionen oftmals mit Magen-Darm-Erkrankungen einhergehen. Eine Statistik erfasst, dass zwei Drittel aller Patienten mit einer chronischen Entzündung des Darms auch psychologische Symptome haben. Autisten z.B. haben eine andere Darmflora als ein gesunder Mensch. Lyte sagt, dass es ein Problem wird, bei all den komplexen Vorgängen im Darm, die Wege und Wirkungsmechanismen im Gehirn nachweisen zu können. Dies wäre nötig, um die Zulassungsbehörden für Arzneimittel zu überzeugen. Die Forschung steht noch ganz an Anfang und Mark Lyte hofft, dass verschiedene Forschergruppen gut zusammenarbeiten werden, um bald neue vielversprechende Ergebnisse vorlegen zu können.

Mit freundlichen Grüßen | Carola Rehm | Dr. Frank & Partner Zürich