In der systemischen Therapie gibt es viele Medien, die in der Arbeit mit Familien eingesetzt werden. Eines davon ist das Familienbrett, das einhergeht mit einer symbolischen Darstellung der Familie. Als eine sehr klassische Variation ist z.B. das Familienbrett von Ludewig zu nennen (s. Foto). Es ist jedoch auch möglich, jegliche andere Figuren zu wählen, z.B. ein Sortiment aus Tierfiguren.

Aus den gebotenen Figuren soll derjenige, der seine Familie auf das Brett stellt, zu jeden Familienmitglied (bei Jugendlichen auch häufig enge Freunde) die „passende“ Figur heraussuchen. Ist dies geschehen, soll der Aufsteller die Position der Figuren bestimmen.

Sowohl im Einzelsetting, als auch gemeinsam im familiären System kann eine Solche Aufstellung Ausschluss darüber geben, wie ein jedes Familienmitglied die Rollenverteilung und das Verhältnis zueinander sieht. Hierzu möchte ich ein kurzes Beispiel geben:

Maximilian (9 Jahre) stellte sich in der Praxis aufgrund Verhaltensauffälligkeiten, besonders im familiären System vor. Die Mutter gab an, sich häufig sehr überfordert zu fühlen, würde auch verbal sehr aggressiv bei Konflikten reagieren. Von ihr wird beschrieben, dass stets Maximilian der Auslöser sei. Laut Mutter würde dieser seine Schwester stets provozieren um sie zu ärgern, er könne sich nicht an das gesetzte Regelwerk halten, seine häuslichen Pflichten erledigt er nur nach großen Diskussionen, die nicht selten mit Tränen und Rückzug beiderseits enden. Die Eltern haben sich getrennt, als die Geschwister noch im Kleinkindesalter waren. Sie würden den Vater in den Ferien sehen, die Mutter möchte am liebsten den Vater nicht mehr in die Erziehung mit einbeziehen und den Kontakt verbieten.

Zur Aufstellung wird ein Sortiment aus verschiedenen Symbolen und Tieren gereicht. Maximilian beginnt mit der Aufstellung, positioniert sich in die Mitte, seine Schwester eng an ihn, die Kindsmutter weiter entfernt. Als er dem Vater eine Position zuweisen soll, stellt er ihn außerhalb des Brettes auf. Die Kindsmutter hingegen weigert sich, überhaupt dem Vater eine Figur zuzuweisen. Daraufhin reagiert Maximilian mit Aggressionen gegenüber der Mutter und verlässt schreiend den Raum.

Diese Situation wurde in einem anschließenden Reflexionsgespräch mit Maximilian und der Mutter gespiegelt. Der Kindsmutter wurde deutlich, wie wichtig der Vater für Maximilian ist. Sie erkannte zudem, dass die Ablehnung der Mutter gegenüber den Vater ihn sehr verletzt. Durch die Erkenntnis gelang es ihr, sich besser in Maximilians Emotionalität einzufühlen und ist nunmehr bemüht, die Kluft zwischen dem Vater und ihr etwas positiver zu gestalten. Auch Maximilian konnte nach dem Gespräch mehr Verständnis für die Situation der Eltern aufbringen und sich während der Reflexion der Kindsmutter annähern.

Ziele, die hierbei verfolgt werden, sind vor allem die Eigen- und Fremdwahrnehmung, dem Gegenüber in seinem Empfinden und seinem Verhalten mehr zu verstehen. Dort, wo große Konflikte herrschen, kann ein Annähern erfolgen. Zudem können familiäre Spannungen plastisch dargestellt werden, was Kinder und Jugendliche unterstützt, Problemsituationen und Emotionen besser zu begreifen.

Mit freundlichen Grüßen | Sabrina Huschke | Dr. Frank & Partner München