M. Mahler wurde 1897 in Österreich geboren. Nach ihrem Medizinstudium und abschließender Promotion in Kinderheilkunde wurde sie 1933 Mitglied der Wiener Psychoanalytischen Vereinigung. 1938 emigrierte sie in die USA. Dort hatte sie unter anderem einen Lehrauftrag für Psychiatrie an der Columbia Universität. Sie gründete dort einen therapeutischen Kindergarten. Zuletzt arbeitete sie als Psychoanalytikerin und Forschungsdirektorin am Masters Children`s Center in New York. 1985 starb sie im Alter von 88 Jahren.

In ihrem 1978 veröffentlichten Buch „Die psychische Geburt des Menschen“ beschreibt Mahler, in Anlehnung früherer psychoanalytischer Schriften, nach denen die Entwicklung der Objektbeziehung von Trieben abhängt (Freud 1905:27), die Theorie der Objektbeziehung. Im Mittelpunkt ihrer Theorie steht dabei die frühe Beziehung des Säuglings zur Mutter, die sie als

„die kognitive-affektive Errungenschaft des Gewahr werdens der Getrenntheit als Voraussetzung einer echten Objektbeziehung, die Rolle des Ich-Apparates (z.B. Motilität, Gedächtnis, Wahrnehmung) und Komplexer Ich-Funktionen (etwa der Realitätsprüfung) durch Förderung dieses Gewahr werdens (Mahler 1978: 16)“,

beschreibt. Das bedeutet, dass die Objektbeziehung, die Beziehung eines Subjekts zu seiner Welt, die Wahrnehmung seines Selbst im Zusammenhang mit der Ich-Werdung (Individuation) und das Bewusst werden der Bedürfnisse und Emotionen die eng miteinander zusammenhängen, darstellt.

Die Entwicklung läuft in vier Subphasen ab. In seltenen Fällen, in denen die Subphasenentwicklung ernsthaft gestört war oder misslang, konnte Mahler Zusammenhänge zu Borderlinephänomenen oder Psychosen erkennen (Mahler 1978/1994: 17).

Im Rahmen ihrer Untersuchungen hat Mahler Kinder beobachtet, die unfähig schienen, das Stadium einer symbiotischen Mutter-Kind-Beziehung zu erreichen, die ein „mütterliches Prinzip“ (Mahler 1978/1994:17) nicht nutzen konnten. Andererseits konnten diese Kinder aber in Panik geraten, sobald sie Getrenntheit wahrgenommen haben. Die Fähigkeit, die Mutter als Orientierungspunkt in der realen Welt zu benutzen, ist bei diesen Kindern gestört. Das wiederum führt dazu,

„dass es der kindlichen Persönlichkeit nicht gelingt, sich selbst mit Hilfe der Beziehung zur Mutter als einem äußeren Liebesobjekt zu organisieren.“ (Mahler 1978/1994:18).

Das Kind, scheint die leibhaftige Mutter als nicht existent zu behandeln. Nur wenn seine Schale durch menschliches Eindringen bedroht wird, reagiert es mit Wut, Panik oder beidem. Andererseits behandelt das Kind seine Mutter als Teil seiner Selbst (Symbiose) und ist nicht fähig, sie als getrenntes Objekt zu integrieren. Das Kind erhält die Spaltung zwischen guten und schlechten Teilobjekten aufrecht und wechselt zwischen dem Wunsch, sich das Gute einzuverleiben und das Schlechte abzustoßen. Auf der Suche nach Lösungen kommt es nicht zur Anpassung an die Außenwelt. Die Individuation, die zur individuellen Persönlichkeit des Kindes führt, entwickelt sich nicht gleichmäßig. Wesentliche menschliche Eigenschaften werden in ihrem grundlegenden Entwicklungsstadium verkümmert oder brechen später auseinander (Mahler 1975/1994:16-18).

Mit freundlichen Grüßen | Carola Rehm | Dr. Frank & Partner Zürich