Die Zahl der Amputationen eines Körpergliedes, ist in den letzten Jahren rapide gestiegen. 2001 waren es noch 45.000 ausgeführte Amputationen. 2011 hingegen bereits über 60.000. Dabei wurde den Patienten aus ganz unterschiedlichen Ursachen wie z.B. Diabetes, Gefässverschluss oder Amputation nach einem Unfall, ein Körperglied entfernt. Meist sind es Zehen, Füsse oder ein ganzes Bein. Obwohl das betroffene, meist schmerzhafte Körperglied entfernt ist, hat der Patient oftmals an dem nicht mehr vorhandenen Körperteil schmerzen. Dies nennt man Phantomschmerz. Phantomschmerzen treten in 50 – 75% aller Fälle und bis zu 2 Jahre nach einer Amputation auf. In Ausnahmefällen scheinen Phantomschmerzen sogar bis zu 30 Jahre zu dauern.

Der Medizin sind Phantomschmerzen bis heute ein Rätsel. Wissenschaftler vermuten, dass die Ursache im Gehirn zu finden ist. Im Gehirn hat jeder Körperteil sein zugeordnetes Areal. Wird ein Körperteil amputiert, so arbeitet das zuständige Hirnareal weiter und sendet somit auch weiter Signale an das nicht mehr vorhandene Körperglied. Das Gehirn hingegen ist irritiert, da ihm vom fehlenden Körperteil, die Reize zur Verarbeitung fehlen. Das Gehirn fängt daraufhin an, sich neu zu organisieren. Das Areal, welches für den nun fehlenden Körperteil zuständig war, wird immer kleiner. Umliegende Gebiete hingegen wachsen. Forscher glauben, je stärker der Phantomschmerz ist, umso ausgedehnter sind die Veränderungen im Gehirn.

Der Phantomschmerz stellt ein sehr vielschichtiges Phänomen dar. Eine Therapie sollte auf verschiedenen Ebenen stattfinden. In der Ergotherapie können diese Menschen unter anderem lernen, ihr verlorenes Körperteil ins Körperbild zu integrieren. Es findet zusätzlich ein Prothesentraining, eine Hilfsmittelabklärung, Spiegeltherapie, eine Massage am Stumpf oder ein Entspannungstraining statt. Ausserdem sollte man als Therapeut daran denken, dass diese Menschen ein traumatisches Erlebnis hinter sich haben, mit dem sie jetzt ihr restliches Leben verbringen müssen. Es kann also sein, dass zusätzlich zum Phantomschmerz beim Patienten Existenzängste, Depressionen oder der Verlust/Minderung des Selbstwerts auftreten, die in die Therapie mit einfliessen. Es ist wichtig, dass sich der Patient mit seiner neuen Situation (Verlustbewältigung) auseinandersetzt.

Mit freundlichen Grüßen | Carola Rehm | Dr. Frank & Partner Zürich