Störungen des Sozialverhaltens bei Kindern und Jugendlichen beschreiben ein kontinuierliches oder wiederkehrendes Muster, welches von aggressivem oder dissozialem Verhalten geprägt ist. Das kann sich durch Aggressionen in Form von Schlägereien, verbalen Angriffen, durch Eigentumsverletzungen, wie Diebstahl, Zerstörung, durch allgemeine Normverletzungen, wie Drogenmissbrauch, Regelverstöße oder Schulschwänzen oder durch oppositionelles Verhalten, wie Widersprechen und Verweigerung äußern. Dieses Verhalten muss mindestens sechs Monate anhalten, um von einer Störung des Sozialverhaltens zu sprechen.

Störungen des Sozialverhaltens sind mit emotionalen Störungen nicht gleichzusetzen. Es kann aber eine Komorbidität vorliegen.

Das Auftreten dieser Störungen ist beim jeweiligen Individuum abhängig von der Persönlichkeit, dem Temperament, genetischen, neurophysiologischen und neurochemischen  Faktoren, geringes Selbstbewusstsein, Lernbeeinträchtigungen sowie belastende Lebensereignissen. Unter den familiären Einflussfaktoren fallen u.a. die Scheidung oder Trennung der Eltern, Vernachlässigung oder Misshandlung, psychische Störungen der Erziehungsberechtigten, fehlende Problemlösungsfähigkeiten und mangelnde Kommunikation. Des Weiteren können die Familiengröße sowie die Geburtenfolge ebenfalls ein Risiko bergen. Die soziale Umwelt hat ebenfalls Einfluss auf die Ausbildung der Störungen des Sozialverhaltens. Hier bestehen die Gefahren, beispielsweise an einem Mangel von sozialen Diensten, einer erhöhten Kriminalitätsrate, leichte Drogenbeschaffung oder Jugendbanden. Negativer gesellschaftlicher Einfluss stellt die Arbeitslosigkeit, Armut und ökonomische Strukturveränderungen dar.

Die therapeutische Intervention muss neben der kindzentrierten Behandlung ein Elterntraining und eine Elternberatung beinhalten. Außerdem muss der Kindergarten bzw. die Schule grundsätzlich miteinbezogen werden. Behandlungsziele mit dem Kind sollten eine verbesserte differenzierte Eigen- und Fremdwahrnehmung sein, der Abbau von Spannungen und innerer Unruhe, z.B. durch Entspannungstechniken, Aggressivitätskontrolle, Impulskontrolltraining sowie Problemlösetraining in Einzel- und Gruppeninterventionen.

Die sozialen Fähigkeiten können hierbei nach Goldstein in sechs verschiedene Gruppen unterteilt werden. Die erste Gruppe sind die grundlegenden sozialen Fähigkeiten. Hierbei handelt es sich, beispielsweise um zuhören, sich zu bedanken oder auch „Bitte sagen“ sowie das Loben. Danach kommen die komplexen sozialen Fähigkeiten. Dabei geht es darum, um Hilfe zu bitten, um aktive Teilnahme im Geschehen sowie nach dem „Warum“ zu fragen. Die dritte Gruppierung stellt die Fähigkeiten im Umgang mit Gefühlen dar. Hierbei sollen die Betroffenen lernen, ihre Gefühle auszudrücken und die Gefühle Dritter zu verstehen. Die vierte Gruppe sind Verhaltensalternativen zur Aggression. Das heißt, z.B. etwas mit anderen zu teilen, Kompromisse zu schließen, Selbstkontrolle erhalten. Danach folgten die Fähigkeiten im Umgang mit Stresssituationen, z.B. in Konkurrenzsituationen oder wie mit Gruppendruck umgegangen werden kann. Die sechste Gruppe ist das Vertiefen der genannten Fähigkeiten. Das beinhaltet den Umgang mit Langeweile, sich Ziele stecken zu können, Probleme nach Prioritäten ordnen.

Die elternbezogene Intervention soll zu einer verbesserten Eltern-Kind-Beziehung führen. Die Eltern sollen ihre positiven Elternqualitäten erkennen und einsetzen. Es werden Strukturen bei alltäglichen Abläufen festgelegt. Zu harte oder zu gewährende Erziehungspraktiken sollten beendet werden. Es werden gemeinsame Zeiten mit dem Kind festgelegt. Eltern sollen herangeführt werden, eindeutig formulierte, altersgemäße Forderungen an das Kind zu stellen und den Einsatz von Konsequenzen im direkten Zusammenhang mit dem Verhalten des Kindes im negativen wie auch positiven zu sanktionieren.

Mit freundlichen Grüßen | Anja Willmann | Dr. Frank & Partner Berlin