Was ist Stress? Es ist eine Bezeichnung für die Belastung, die der Körper durch zu lange dauernde oder ihm unangemessene Reize und schädigende Einflüsse erfährt, beziehungsweise für die durch diesen Stressor erzeugten belastenden und den Organismus „angreifenden“ Wirkungen. Was den Einen stresst, ist für den Anderen das reinste Aphrodisiakum. Nach positivem Stress (= „Eustress“) wird oftmals ein tiefes Gefühl der Befriedigung erlangt. Negativ wird Stress dann, wenn der Druck über einen längeren Zeitraum anhält und wenn das körperliche Befinden deutlich darunter leidet. Diesen Stress bezeichnet man als „Distress“. Im ‚Normalfall’ herrscht ein Gleichgewicht von Anspannung und Ruhe. Da die Bevölkerung jedoch kaum noch Zeit für Erholung finden, steht der Körper dauerhaft unter Stress. Der Körper fängt an zu reagieren, wenn über einen langen Zeitraum eine unter Druck setzende Situation besteht.

Symptome von negativem Stress sind:

  • Magen-, Kopf-, Rücken- & Genickschmerzen
  • Schwindelanfälle
  • Schlafschwierigkeiten
  • Zähneknirschen oder -zusammenbeißen, Stammeln und Stottern, sowie nervöse Zuckungen
  • vermehrter Alkohol- & Nikotinkonsum

Innere und äußere Faktoren können den „Distress“ begünstigen. Dazu zählen zum Beispiel Lärm, Umweltgifte und Reizüberflutung durch beispielsweise zu langes Fernsehen. Zu den inneren Faktoren zählen unter Anderem psychische Belastungen wie Ärger, Leid, Angst, Freude und Leistungsdruck aber auch physische Stresssituationen. Diese sind durch Infektionen, Operationen, körperliche Höchstleistungen und Krankheit geprägt. Natürlich führen auch alltägliche Kleinigkeiten (= ‚daily hazzles’) wie Hektik, Autostaus sowie ständiges Telefonklingeln zu „Distress“.

Stress wird in drei Arten unterteilt: akuter Stress, traumatischer Stress und Dauer- & chronischer Stress. Menschen können unterschiedlich auf Stress reagieren, jedoch meist auf zwei verschiedene Arten. Der Typ-A-Mensch ist eher leicht gereizt, erregbar, nervös und aufbrausend. Dieser neigt bei Dauerstress zu Erkrankungen wie Herzinfarkt und Bluthochdruck. Der Typ-B-Mensch ist äußerlich ruhig, frisst Sorgen eher in sich hinein und neigt bei Dauerstress zu Magen-Darmbeschwerden, die bis zu Magen-Darm-Geschwüren führen können.

In Stresssituationen reagiert der Körper in zwei Phasen. In der ersten Phase der Stressreaktion wird der Hypothalamus aktiviert. Es kommt zur Ausschüttung von CRH (Corticotropin-Releasinghormon), welches die Hypophyse stimuliert. Dadurch kommt es zur Freisetzung von ACTH (Adrenocorticotropes Hormon), welches die Ausschüttung von Glukokortikoiden anregt. In der zweiten Phase der Stressreaktion wird über den Sympatikus das Nebennierenmark aktiviert. Das führt in Sekundenschnelle zur Ausschüttung von 80% Adrenalin und 20% Noradrenalin und somit innerhalb von Minuten zum Anstieg dieser Substanzen im Blut.

Kurzfristig dominiert die Wirkung der zweiten Reaktionskette und führt  zur Aktivierung aller Organfunktionen, die zum Überleben notwendig sind. So nehmen Herzschlag und Kontraktionskraft zu. Es kommt zur reduzierten Durchblutung von Haut und inneren Organen. Die Durchblutung aller Organe, die kurzfristig zur Bewältigung der Stressreaktion benötigt werden (wie Skelettmuskeln, Herzmuskel und Lunge), wird hierdurch gesteigert. Ebenso weiten sich auch die Bronchien, damit für die Muskelarbeit mehr Sauerstoff bereit gestellt werden kann und über die Leber wird mehr Glukose ins Blut freigesetzt. Denkvorgänge dagegen werden  zugunsten vorprogrammierter Reflexhandlungen blockiert. Alle Körperfunktionen sind quasi in „Alarm -& Fluchtbereitschaft“. In der heutigen, „zivilisierten“ Gesellschaft allerdings, laufen die oben dargestellten Stressreaktionen oft ‚ins Leere’. Wir müssen nur noch selten vor Feinden ‚Reißaus’ nehmen oder gegen gefährliche Gegner kämpfen. Gelegentlich ist die Stressreaktion sogar ungünstig. Sie führt beispielsweise zum Phänomen des „Prüfungsblocks“. Die Stressreaktion erscheint wie ein Relikt aus ‚vergangenen Zeiten’, in denen kurzzeitige körperliche Höchstleistungen zum Überleben notwendig waren. Langfristig dominieren (vor allem bei „Dauerstress“) die Effekte der Glukokortikoide – weshalb sie auch als die eigentlichen Stresshormone gelten. Durch die Schwächung des Immunsystems treten Infektionen häufiger auf und werden nur langsam überwunden. Der Betroffene schläft schlecht. Die Lern- und Konzentrationsfähigkeit nimmt ab. Häufig treten Spannungskopfschmerzen auf.

Anhaltspunkte für die Wirkung von Stressreizen können folgende Faktoren sein:

  • Reizintensität
  • Dauer und Häufigkeit von Reizen
  • Möglichkeiten zur Vermeidung oder Bewältigung
  • Vorerfahrungen
  • persönliche Grundlage
  • Aktivierungszustand
  • soziale Unterstützung

Mit freundlichen Grüßen | Katrin Tzschöckell | Dr. Frank & Partner Berlin