Neben der kognitiven, motorischen und sensorischen Entwicklung eines Kindes liegt ein weiterer Schwerpunkt im Bereich der Ergotherapie in der psychosozialen Entwicklung. Die psychosoziale Entwicklung im Kindesalter stellt die Grundlage für unser Verhalten und im Erwachsenenalter dar.

In seiner aufgestellten Theorie bezüglich der psychosozialen Entwicklungsstufen stellt der deutsch-US amerikanische Psychoanalytiker Erik H. Erikson die Entwicklung in acht Stufen dar. Diese Stufen sind geprägt von einem jeweilig charakteristischen Konflikt, den es zu bearbeiten gilt, bevor die nächste Stufe und deren Konflikte  bewältigt werden können.

Die erste Stufe verläuft im Alter von 0-1 1/2 Jahren. Erikson beschreibt diese als „Vertrauen gegen Mißtrauen“  Hierbei soll das Kind der Umwelt gegenüber ein Urvertrauen ausbilden. Das heißt zum einen das die Grundbedürfnisse, wie Nahrung, Schlaf, Atmung, Wärme, Gesundheit, Wohnung, Kleidung und Bewegung befriedigt werden müssen. Zum anderen, dass eine soziale Bindung zu den Kindseltern, unter anderem durch körperliche Nähe, aufgebaut werden muss. Daraus resultiert das benötigte Vertrauen für die nächste Stufe. Werden die Grundbedürfnisse gestillt, jedoch nicht die Nähe und Geborgenheit vermittelt, die das Kind benötigt, entsteht das Gefühl des Mißtrauens. Daraus ergibt sich, dass das Kind der Welt nicht offen gegenüber tritt und sich Angst und Unsicherheit entwickeln können.

Die zweite Stufe stellt die Autonomiengegenüber den Selbstzweifeln. Sie findet im Alter von 1 ½ – 3 Jahren statt. Durch die erweiterten Fähigkeiten des Kindes kann dieses vermehrt seine Umwelt erforschen und erlernt diese ebenfalls zu manipulieren. Wird das Kind hierbei anerkannt, entwickelt sich eine Autonomie und somit Selbstsicherheit.Ist diese Stufe durch zu viel Kontrolle und Kritik geprägt, entstehen hier häufig Unsicherheiten und Selbstzweifel. Anerkennung ist in diesem Abschnitt enorm wichtig, damit Kinder lernen Risiken und Herausforderungen anzunehmen und zu bewältigen, um Selbstständigkeit zu erlangen.

Die dritte Stufe  findet im Alter von drei bis sechs Jahren statt und nennt sich „Intitative vs. Schuld“. Durch das entwickelte Urvertrauen zur eigenen Person und der Umwelt entsteht ein Individuum, welches in bestimmten Aktivitäten die Initiative ergreifen kann. Bei einem Kind, welches von seinen Bezugspersonen bestärkt wird, entwickelt ein verbessertes Selbstvertrauen, dass es in der nächsten Stufe benötigt. Fällt sie Reaktion der Kindseltern negativ aus, entsteht im Kind ein Gefühl der Schuld und es bildet ein verminderten Selbstwert aus.

Die Stufe vier beinhaltet den Lebensabschnitt vom sechsten Lebensjahr bis hin zur Pubertät. Erikson bezeichnet diese als „Kompetenz vs. Minderwertigkeit“. Das Kind geht auf Grund, in den vorhergehenden Stufen erlernten , gestärkten Selbstvertrauens zur systematischen Entwicklung seiner Fähigkeiten in allen Bereichen über. Wenn dieser Entwicklungsprozess erfolgreich ist, resultieren daraus beim Kind, Gefühle der Kompetenz. Erfährt ein Kind jedoch häufig Situationen des Misserfolgs erwirbt es Gefühle des Versagens und der Minderwertigkeit. Daher können die Anforderungen der fünften Stufe nicht erfüllt werden.

Auf die folgenden Stufen und der kritischen Betrachtungsweise dieses Modells werde ich in einem weiteren Artikel nachgehen.

Mit freundlichen Grüßen | Anja Willmann | Dr. Frank & Partner Berlin