Dieses Thema wird von Eltern ungern angesprochen, denn hier beeinflussen die Vorurteile, wie  dass psychische Probleme oder Erziehungsfehler dafür verantwortlich seien, das Handeln der Erziehungsberechtigten, wodurch der Leidensdruck ihrer Kinder völlig unnötig erhöht wird. Stattdessen sollten die Ursachen für das Einnässen am Tag (Enuresis diurna) oder in der Nacht (Enuresis nocturna) geklärt werden, um einen gezielten Therapieansatz zu finden.

Um den Grund des Einnässens aufzudecken, sollten die Eltern ihre Kinder zur Untersuchung zum Kinderarzt oder Urologen bringen. Es könnte sein, das dem Einnässen eine Störung der Blasenmuskelfunktion oder angeborene Fehlbildungen zugrunde liegen. Muss das Kind mehr als 10 mal am Tag auf die Toilette, kann der Auslöser für einen unkontrollierten Urinabgang möglicherweise auch eine Harnwegsinfektion oder ein nervöser Blasenschließmuskeln sein.

Ein Tipp: Die Diagnose kann erleichtert werden, wenn Sie schon vor einem Arztbesuche ein Miktionsprotokoll führen. Das heißt, darin sollten Sie mindestens einen Tagen und eine Nacht aufschreiben, wie oft und wann das Kind auf die Toilette geht. Die dabei erzielte Harnmenge, sowie  wie viel und was getrunken wurde, sollte dabei ebenfalls festgehalten werden.

Deutlich mehr Kinder nässen nachts, als tagsüber ein. Hierbei handelt es sich um ca. 25 % der 4-jährigen und 10 % der 7-jährigen. Im Vergleich dazu geschieht dies nur bei ca. 2-3 % der 7-jährigen tagsüber. Eine häufige Ursache fürs Bettnässen  ist eine verlangsamte Entwicklung der Blasenkontrolle, bedingt durch hormonelle oder genetische Faktoren. Dies wird heutzutage nicht mehr als ein Grund zur Sorge gesehen. Denn schließlich entwickeln bzw. lernen nicht alle Kinder  gleich laufen oder sprechen. Anders ist es, wenn Ihr Kind schon lange Zeit einmal trocken war und dann wieder einnässt. Diese Symptomatik wird sekundäre Enuresis genannt. Hier spielen häufig psychische Faktoren eine auslösende Rolle. Wie zum Beispiel die Geburt eines neuen Geschwisterkindes, die Trennung der Eltern oder der Umzug in eine neue Umgebung. Allerdings ist der Anteil der primär Erkrankungen deutlich höher, das bedeutet, dass das Kind seit seiner Geburt noch nicht „trocken“ war.

In der Therapie gibt es verschieden Ansätze. Zunächst sollte auf die regelmäßige Einnahme von Flüssigkeit  und regelmäßige Toilettengänge geachtet werden. Ein einheitliches Belohnungssystem könnte die intrinsische Motivation des Kindes steigern, „trocken“ zu werden. Weiterhin könnte auch ein Kalender durch Symbole oder Ausmalen gestaltet werden, um die Erfolge zu veranschaulichen.  Medien wie die Klingelhose / Matten und der Wirksamkeit, deren Folgen werden häufig stark diskutiert und sollte daher individuell eingesetzt werden. Hierbei ertönt sobald der Urin austritt ein Alarm, sodass das Kind aufwacht und zur Toilette gehen soll. Doch allerdings schlafen viele Kinder so fest, das nicht sie aufwachen, sondern ihre Eltern, die sie dann wecken müssen. Ziel dieser Übung soll sein, dass die Kinder selber durch ihren Harndrang aufwachen. Nach einem zweiwöchigem Erfolg sollte auf dieses Hilfsmittel verzichtet und allgemein nicht länger als 4 Monate verwendet werden. Sind diese Methoden nicht wirksam, können auch hormonähnliche Medikamente, dessen Wirkstoff sich auf den Wasserhaushalt auswirkt und somit die nächtliche Harnproduktion reduziert, zur Anwendung kommen. Handelt es sich um eine erlernte Zurückhaltungsstrategie (Miktionsaufschub ), die fürs einnässen  verantwortlich ist, wird ein verhaltenstherapeutisches Training als sinnvoll betrachtet.

Mit freundlichen Grüßen | Maria Scheewe | Dr. Frank & Partner Berlin