Neben psychischen Erkrankungen wir Burnout, Depression, Psychose und Schizophrenie taucht immer wieder die Bezeichnung Borderline Persönlichkeitsstörung auf. Auch in der Ergotherapie werden vermehrt Borderline-Patienten behandelt.

Im Folgenden werde ich ihnen einen Überblick über die Erkrankung bieten und allgemeine sowie ergotherapeutische Interventionsmöglichkeiten vorstellen.

Eine Persönlichkeitsstörung ist die abnorme Entwicklung eines oder mehrerer Persönlichkeitsmerkmale, wodurch es schwierig ist, diese klar abzugrenzen, zum Beispiel gegenüber exzentrischem Verhalten. Bei Beschreibungen von Persönlichkeitsstörungen wird jedem ein Teil dieser Eigenschaften an einem selbst oder Personen im Umfeld auffallen, dies bedeutet jedoch nicht, dass dies ein Anzeichen für eine Persönlichkeitsstörung sein muss.

„Borderline“ bedeutet so viel wie „Grenzgänger“ und beschreibt das Verhalten der erkrankten Personen. Sie sind emotional besonders instabil und schwanken von einer absolut positiven zu einer absolut negativen Sichtweise und Empfindungen gegenüber einem Thema/Sache/Person. Sie sehen sozusagen entweder „schwarz“ oder „weiß“, kennen keine Abstufungen dazwischen.

Ätiologie:

Die Ursache und Entstehung einer Borderline Persönlichkeitsstörung ist nicht vollständig geklärt und wird heute noch erforscht.

Folgende Faktoren werden als Risikofaktoren angesehen:

  • schwere Traumata in der Kindheit (sexuelle und körperliche Gewalterfahrungen, Vernachlässigung oder frühe Trennungen von den Eltern)
  • Veranlagung für das Erleben sehr starker Emotionen
  • ein bestimmter Verhaltensstil der Umgebung („invalidierendes Umfeld“)

Wenn diese Faktoren gegeben sind, besteht ein erhöhtes Risiko eine Borderline Persönlichkeit zu entwickeln. Es bedeutet jedoch nicht, dass jede Person, die unter diesen Umständen lebt oder aufwächst auf jeden Fall psychisch erkrankt. Hierbei spielt auch die Resilienz eine bedeutende Rolle.

Epidemiologie:

An der Borderline-Störung leiden nach unterschiedlichen Schätzungen etwa ein bis zwei Prozent der Bevölkerung, zirka 2/3 davon sind Frauen.

Differentialdiagnosen:

  • Psychosen
  • andere Persönlichkeitsstörungen

Diagnostik:

Die Diagnose einer BPS lässt sich am besten durch die Richtlinien des Diagnostischen und statistischen Manual Psychischer Störungen (DSM-lV) festlegen. Fünf der folgenden Kriterien müssen erfüllt sein, um die Diagnose stellen zu können:

  • Verzweifeltes Bemühen, tatsächliches oder vermutetes Verlassen werden zu vermeiden.
  • Ein Muster instabiler, aber intensiver zwischenmenschlicher Beziehungen, das durch einen Wechsel zwischen den Extremen der Idealisierung und Entwertung gekennzeichnet ist.
  • Identitätsstörung: ausgeprägte und andauernde Instabilität des Selbstbildes oder der Selbstwahrnehmung.
  • Impulsivität in mindestens zwei potentiell selbstschädigenden Bereichen (Geldausgeben, Sexualität, Substanzmissbrauch, rücksichtsloses Fahren, „Fressanfälle“)
  • Wiederholte suizidale Handlungen, Selbstmordandeutungen oder -drohungen oder Selbstverletzungsverhalten.
  • Affektive Instabilität infolge einer ausgeprägten Reaktivität der Stimmung (z.B. hochgradige episodische Verstimmungen, Reizbarkeit oder Angst, wobei diese Verstimmungen gewöhnlich einige Stunden und nur selten mehr als einige Tage andauern).
  • Chronische Gefühle von Leere und Langeweile.
  • Unangemessene, heftige Wut oder Schwierigkeiten, die Wut zu kontrollieren (z.B. häufige Wutausbrüche, andauernde Wut, wiederholte körperliche Auseinandersetzungen).
  • Vorübergehende, durch Belastungen ausgelöste paranoide Vorstellungen oder schwere dissoziative Symptome

Nicht alle der oben genannten Kriterien treffen auf jeden Borderline-Patienten zu.

BPS galt lange Zeit als kaum therapierbar. Inzwischen wurden verschiedene psychotherapeutische Behandlungsverfahren entwickelt, die Erfolg zeigen. Dazu gehören:

  • Die Dialektisch-Behaviorale-Therapie (DBT), ein hochstrukturiertes Therapieverfahren, dass Achtsamkeitsübungen, Umgang mit Gefühlen und Förderung zwischenmenschlicher Fähigkeiten beübt.
  • Übertragungsfokussierte Psychotherapie, Wahrnehmungen und Verhaltensweisen werden bewusst gemacht und ein stabiles und integriertes Selbstbild angestrebt.

Es gibt bisher keine medikamentöse Therapie, die gezielt zur Behandlung einer BPS gedacht ist. Jedoch können verschiedene Symptome durch den Einsatz von Psychopharmaka behandelt werden.

In der Ergotherapie muss bei der Behandlung von Borderline-Patienten insbesondere darauf geachtet werden, deutliche Regeln, bis hin zu einem Non-Suizid Vertrag, zu vermitteln. Dadurch wird Sicherheit im Umgang für die Patienten und auch die Therapeuten geschaffen. Die Therapieangebote können vielseitig gestaltet werden.

In jeder Situation muss darauf geachtet werden, dass bei bestehendem selbstverletzendem Verhalten des Patienten keine scharfen oder sonstige zu diesem Zweck verwendbaren Werkzeuge oder Gegenstände unbeaufsichtigt benutzt werden.

Um eine wirksame Therapie gestalten zu können, sollte der Patient über das Krankheitsbild vollständig aufgeklärt werden.

Im handwerklichen Bereich kann die DBT durch die Ergotherapie unterstützt werden, indem „Notfallkoffer“ oder „Skills“ hergestellt werden, die vom Patienten genutzt werden können.

Hilfreich ist es, wenn der Therapeut sich vorher mit den unterschiedlichen psychotherapeutischen Behandlungen beschäftigt und so das „Vokabular“ und Verhaltensweisen in verschiedenen Situationen besser versteht.

Mit freundlichen Grüßen | Wiebke Bartonitz | Dr. Frank & Partner München